Apacer

Von intelligentem Betriebsmanagement zu fortschrittlichem Thermodesign

Künstliche Intelligenz geht rasant über zentralisierte Rechenzentren hinaus und betritt die physische Welt. Von industrieller Automation und intelligentem Transport bis hin zu Medizingeräten, Einzelhandelsterminals und landwirtschaftlichen Überwachungssystemen wird von Edge-Geräten zunehmend erwartet, KI-Inferenz lokal durchzuführen, um schnellere Reaktionszeiten, geringere Latenz und bessere Betriebsautonomie zu realisieren.

Diese Entwicklung transformiert nicht nur Hardware-Architekturen, sondern auch Software-Design. Diese Zunahme an anwendungsspezifischen KI-Agenten hat die Übernahme von Edge KI in Branchen beschleunigt, damit Geräte Kontext verstehen, Entscheidungen treffen und in Echtzeit mit Umgebungen interagieren können. Im Gegensatz zu herkömmlichen eingebetteten Anwendungen arbeiten diese KI-Workloads kontinuierlich, was eine beispiellose Beanspruchung von Systemressourcen mit sich bringt. Doch Edge KI steht vor einer Herausforderung, die der Cloud-Infrastruktur eher fremd ist: einem festen Strombudget.

Egal, ob die Stromversorgung über Akkus, Power over Ethernet (PoE) elektrische Fahrzeugsysteme oder erneuerbare Energiequellen erfolgt: Edge-Geräte müssen innerhalb strenger Energiebeschränkungen arbeiten. Alle Teilsysteme, wie KI-Beschleuniger, Prozessor, Arbeitsspeicher und Datenspeicher, streiten sich um dasselbe beschränkte Strombudget. In dieser Umgebung geht es bei der Steigerung der Energieeffizienz nicht nur um die Reduzierung des Stromverbrauchs. Jedes von Daten- und Arbeitsspeicher eingesparte Watt kann stattdessen KI-Inferenz zugewiesen werden, was die dem System verfügbare Rechenleistung direkt erhöht.

Leistungseffizienz hat sich daher zu einem kritischen Faktor bei der Ermittlung der realen Leistung von Edge KI entwickelt

Warum Durchschnittsleistung wichtiger ist als Spitzenleistung

Herkömmliche IoT-Geräte sind üblicherweise ereignisgesteuert. Sensoren bleiben einen Großteil der Zeit im Energiesparmodus und wecken das System nur, wenn ein Ereignis auftritt, bevor es wieder in den Bereitschaftsmodus zurückkehrt. Ihr Energieverbrauch wird von kurzen Aktivitätsphasen, die durch lange inaktive Phasen getrennt sind, dominiert.

Edge-KI-Systeme arbeiten häufig sehr unterschiedlich.

KI-Agenten sind darauf ausgelegt, kontinuierlich aktiv zu bleiben, um Sensoreingänge konstant zu verarbeiten, Kontextbewusstsein zu wahren und Echtzeit-Entscheidungen zu generieren. Dies erhöht den Arbeitszyklus des Systems erheblich und lenkt den Fokus über längere Betriebszeiten vom Spitzenstromverbrauch zum adurchschnittlichen Stromverbrauch.

Im Ergebnis unterstützt dieselbe Akkukapazität oder Stromversorgung, die für ein herkömmliches IoT-Gerät ausgereicht hat, möglicherweise nicht länger ein KI-fähiges System, das unter identischen Einsatzbedingungen arbeitet. Daher hat sich die Ausrichtung auf nachhaltige Effizienz anstatt gelegentliche Spitzenleistung zu einer der definierenden Anforderungen moderner Edge-KI-Plattformen entwickelt.

Die versteckten Kosten von KI: Daten verschieben

Ein weiteres Missverständnis im Kontext von KI-Systemen besteht darin, dass das Rechnen selbst die primäre Quelle des Stromverbrauchs ist. Tatsächlich wird ein Großteil der während der KI-Inferenz verbrauchten Energie in das Verschieben von Daten investiert, nicht in Berechnungen.

Bevor ein KI-Beschleuniger Inferenz ausführen kann, müssen Modellparameter, Feature-Karten und Sensordaten wiederholt zwischen Speichergeräten, Arbeitsspeicher und Prozessoreinheiten übertragen werden. Gemäß der bekannten Analyse, die Mark Horowitz am ISSCC präsentiert hat, kann die für das Verschieben von Daten benötigte Energie die von arithmetischen Operationen um mehrere hundert Mal übersteigen.

Da KI-Modelle immer größer und Inferenz-Workloads zunehmend kontinuierlicher werden, steigen die Kosten für das Verschieben von Daten entsprechend an.

Wichtiger aber ist, dass dieses Ungleichgewicht nicht einfach durch Fortschritte in der Halbleiterfertigung adressiert werden kann. Während Prozessoren immer energieeffizienter werden, waren Verbesserungen beim Verschieben von Daten aufgrund fundamentaler physischer Beschränkungen vergleichsweise eingeschränkt. Folglich sind Daten- und Arbeitsspeicher nicht länger passive unterstützende Komponenten, sondern leisten einen wesentlichen Beitrag für die Gesamtenergieeffizienz eines KI-Systems.

Die Optimierung des Prozessors allein reicht nicht länger aus. Zur Maximierung verfügbarer Rechenleistung innerhalb eines festen Stromverbrauchs muss jedes Teilsystem auf Energieeffizienz ausgelegt sein.

Strom und Wärme sind zwei Seiten derselben Herausforderung

Die Leistungsbeschränkungen von Edge-Geräten werden im Wesentlichen durch ihre Einsatzumgebungen anstatt durch Systemdesigner bestimmt.

Tragbare Geräte sind durch die Akkukapazität beschränkt. Smart-City-Infrastruktur und Überwachungssysteme müssen innerhalb der PoE-Stromgrenzen bleiben. Fahrzeugintegrierte Plattformen werden durch elektrische Automobilarchitekturen beschränkt, während Remote-Installationen häufig auf Solarerzeugung und Energiespeicher angewiesen sind. Diese Einschränkungen lassen wenig Spielraum zur mühelosen Steigerung der verfügbaren Leistung.

Folglich wird die Stromzuteilung zu einem Nullsummenspiel. Jedes zusätzliche vom Daten- oder Arbeitsspeicher verbrauchte Watt ist ein Watt, das der KI-Beschleunigung fehlt. Mit dem Stromverbrauch geht zudem eine weitere Herausforderung einher: Wärme.

Im Gegensatz zu Servern, die in klimatisch kontrollierten Rechenzentren laufen, werden Edge-Geräte üblicherweise in kompakten, umschlossenen und oftmals lüfterlosen Systemen eingesetzt, in denen die Wärmeableitung von Natur aus eingeschränkt ist. Während kontinuierlicher KI-Inferenz können steigende Temperaturen schließlich thermische Drosselung auslösen, was sowohl den Speicherdurchsatz als auch die Leistung des Arbeitsspeichers sowie die KI-Verarbeitungsgeschwindigkeit reduziert.

Die Auswirkung geht über temporäre Leistungsminderungen hinaus. Längere thermische Belastung beschleunigt die Alterung von Komponenten, erhöht das Risiko von Problemen mit der Datenintegrität und verkürzt die Systemlebensdauer insgesamt. All das sind Faktoren, die zu teurer Wartung oder unerwarteten Ausfallzeiten in Industrieumgebungen führen kann.

Daher ist bei Edge KI das Thermomanagement weit mehr als eine Kühlüberlegung. Es ist eine Voraussetzung für die Wahrung stabiler, voraussagbarer und zuverlässiger KI-Leistung während des Systemlebenszyklus.

Im Gegensatz zu Rechenzentren, die zusätzlichen Stromverbrauch mit größerer elektrischer Infrastruktur und raffinierten Kühlsystemen bereitstellen können, bieten Edge-Geräten diese Flexibilität nur selten. Die einzige praktische Lösung besteht in der Verbesserung der Effizienz auf Strom- und Temperaturebene.

Strom an der Quelle mit CoreEnergy verwalten

Die Steigerung der Energieeffizienz in Edge KI erfordert mehr als die Auswahl sparsamer Komponenten. Sie erfordert auch die Fähigkeit zur Anpassung des Systemverhaltens an verschiedene Einsatzszenarien.

Zur Adressierung dieses Bedarfs entwickelte Apacer CoreEnergy, eine intelligente Energiemanagementtechnologie für industrielle SSDs, die eine dynamische Steuerung des Stromverbrauchs über Firmware-Einstellungen ermöglicht. Anstatt eines Betriebs bei einer festen Leistungsstufe kann die SSD so konfiguriert werden, dass sie den Anforderungen einer bestimmten Anwendung gerecht wird.

Beispielsweise kann eine NVMe SSD darauf eingestellt werden, bei sequenziellen Übertragungsgeschwindigkeiten von 3,000 MB/s, 1,500 MB/s, oder 500 MB/szu laufen. Geringere Übertragungsgeschwindigkeiten reduzieren den Stromverbrauch und die Wärmeerzeugung, sodass die gesamte Plattform innerhalb ihres verfügbaren Strombudgets bleiben kann und ein zuverlässiger Betrieb gewährleistet ist.

Das Ziel ist nicht einfach die Reduzierung der Leistung. Stattdessen ermöglicht CoreEnergy Systemdesignern, unvorhersagbare thermische Drosselung durch vorhersagbare, anwendungsspezifische Leistung zu ersetzen.

Dieser Unterschied ist insbesondere für Edge KI wichtig. Viele Inferenz-Workloads ziehen stabilen, nachhaltigen Durchsatz kurzen Phasen von Spitzenleistung vor. Unerwartete Leistungseinbrüche durch thermische Schutzmechanismen können die Inferenzlatenz erhöhen, die Echtzeit-Entscheidungsfindung stören und die Systemzuverlässigkeit insgesamt reduzieren. Dadurch, dass Designer ein angemessenes Gleichgewicht zwischen Leistung und Energieverbrauch definieren können, bietet CoreEnergy mehr Flexibilität als herkömmliche Speicherlösungen mit festem Strombudget.

Bei akkubetriebenen Geräten liefert Energiemanagement zudem greifbare operative Vorteile. Ein geringerer Stromverbrauch verlängert die Betriebszeit zwischen Aufladungen, während die Reduzierung Häufigkeit eines Akkuwechsels zur Senkung der Wartungskosten bei umfangreichen Einsätzen beiträgt.

Wärme mit GraTherX™ bewältigen

Die Reduzierung des Stromverbrauchs adressiert nur eine Seite der Herausforderung. Die verbleibende Energie wird  zwangsläufig in Wärme umgewandelt, was das Thermomanagement für langfristige Systemstabilität ebenso wichtig macht. Zur Steigerung der thermischen Leistung auf Ebene des Arbeitsspeichermoduls entwickelte Apacer GraTherX™, eine fortschrittliche Kühllösung basierend auf einem Graphen-Kupfer-Verbundmaterial und einer doppelseitigen wärmeableitenden Konstruktion.

Durch Schaffung eines kontinuierlichen thermischen Pfads auf beiden Seiten des Moduls minimiert GraTherX™ lokalisierte Hotspots und verteilt Wärme gleichmäßiger über den Arbeitsspeicher. Unter lüfterlosen Testbedingungen mit natürlicher Konvektion reduziert die Technologie die Spitzentemperatur von DDR5-Modulen um bis zu 20°C, während die Temperaturdifferenz zwischen Vorder- und Rückseite bei etwa 1°C*gehalten wird.

Verbesserte thermische Gleichmäßigkeit bietet mehr Vorteile als die Temperatur allein. Sie verbessert zudem die langfristige Zuverlässigkeit. Interne Tests zeigen, dass GraTherX™ die mittlere Betriebszeit zwischen Ausfällen (MTBF) von DRAM um das 2.7-Fache erhöht, während die Ausfallrate (FIT-Rate) um 60%, reduziert wird, wodurch der Arbeitsspeicher auch in anspruchsvollen Industrieumgebungen* einen stabilen Betrieb wahren kann.

Dies Lösung ist auch auf eine einfache Bereitstellung ausgelegt. Mit einer ultradünnen 0.17 mm-Drop-in-Konstruktion kann GraTherX™ ohne Umgestaltung des Motherboards oder Ergänzung aktiver kühlender Hardware in bestehende Plattformen integriert werden. Dadurch eignet es sich besonders gut für kompakte Edge-Geräte, in denen der mechanische Platz beschränkt ist.

Bei verteilten Edge-Einsätze bedeutet verbesserte Zuverlässigkeit direkt geringere Betriebskosten. Die in Fabriken, Transportnetzen oder an externen Überwachungsorten installierte Ausrüstung erfordert häufig eine teurerer Wartung vor Ort. Die Verlängerung der Lebensdauer von Komponenten und die Reduzierung thermisch bedingter Ausfälle minimiert Serviceunterbrechungen und senkt gleichzeitig die Gesamtbetriebskosten während des Produktlebenszyklus.

Von Komponentenoptimierung bis hin zu Energiedesign auf Systemebene

Während AIoT weiter expandiert, ändert sich die Rolle von Daten- und Arbeitsspeicher fundamental.

Früher wurden Speichergeräte hauptsächlich nach Kapazität und Leistung beurteilt. Heute müssen Systemdesigner auch berücksichtigen, wie effizient diese Komponenten Strom verbrauchen, Wärme verteilen und zur Zuverlässigkeit der gesamten Plattform beitragen. Energieeffizienz ist nicht länger eine isolierte Spezifikation, sondern hat sich zu einem wesentlichen Bestandteil der Systemarchitektur entwickelt.

Diese Entwicklung wird zudem durch breitere geschäftliche Überlegungen befeuert. Während Organisationen ESG-Initiativen und Ziele zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes verfolgen, erwarten Kunden zunehmend, dass Hardware-Anbieter neben herkömmlichen Leistungskennzahlen auch messbare Daten zu Stromverbrauch und Zuverlässigkeit liefern. Diese Werte unterstützen CO2-Bilanzierung, Nachhaltigkeitsberichterstattung und Bewertungen der Gesamtbetriebskosten (TCO), was die Energieeffizienz von einem technischen Merkmal zu einem wettbewerbsrelevanten Unterscheidungsmerkmal macht.

Um diesen Erwartungen gerecht zu werden, ist eine Optimierung auf mehreren Ebenen erforderlich, darunter Komponentenauswahl, Firmware-Algorithmen und thermisches Design. Die Verbesserung von nur einem Aspekt des Systems kann nicht länger bedeutsame Gewinne erzielen, wenn das verfügbare Strombudget feststeht.

CoreEnergy und GraTherX™ illustrieren diesen Ansatz auf Systemebene. Das eine verwaltet die Leistung an ihrer Quelle durch eine intelligente Energiezuteilung, während das andere die thermischen Auswirkungen dieser Leistung zur Aufrechterhaltung langfristiger Zuverlässigkeit verwaltet. Gemeinsam helfen sie bei der Maximierung der für KI-Inferenz verfügbaren Rechenressourcen, ohne die physischen Beschränkungen von Edge-Plattformen zu überschreiten.

Während sich die KI zunehmend an den Ort verlagert, an dem Daten generiert werden, wird die Energieeffizienz zu einem der definierenden Faktoren in der Edge-Computing-Leistung.

Die Herausforderung besteht nicht mehr nur in der Lieferung schnellerer Prozessoren oder höherer Arbeitsspeicherkapazität. Stattdessen hängt der Erfolg davon ab, wie effektiv jedes Teilsystem ein begrenztes Strombudget gemeinsam nutzt, während über Jahre eines kontinuierlichen Betriebs stabile Leistung gewahrt wird.

Für Daten- und Arbeitsspeicher bedeutet das, über herkömmliche Leistungskennzahlen hinaus in Richtung eines intelligenten Energiemanagements und fortschrittlichen thermischen Designs zu gehen. Jedes eingesparte Watt, jedes reduzierte Grad und jede Verbesserung an langfristiger Zuverlässigkeit kommt direkt der für KI-Inferenz verfügbaren Rechenleistung zugute. Letztlich wird die Zukunft von Edge KI nicht allein dadurch definiert, wie viel Rechenleistung ein System bereitstellen kann, sondern dadurch, wie effizient es jedes verfügbare Watt nutzen kann.

Bei Apacer ist unser Ziel ganz einfach: die Sicherstellung, dass jedes von Daten- und Arbeitsspeicher eingesparte Watt an das KI-Computing zurückgegeben wird, damit Edge-KI-Systeme während ihres gesamten Lebenszyklus anhaltende Leistung, mehr Zuverlässigkeit und geringere Gesamtbetriebskosten liefern können.

*GraTherX™-Leistungsdaten basierend auf von Apacer durchgeführten Tests. Die tatsächlichen Ergebnisse können je nach Systemplattform, Modulkonfiguration, Luftstrombedingungen, Belastung und Testumgebung variieren.

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